QIGONG Kurse Roswith Schläpfer

„... damit der Geist nicht immer wie eine Horde wilder Affen ist!“, so lautet die prompte Antwort von Roswith Schläpfer auf die Frage, warum wir uns denn mit Qigong Yangsheng beschäftigen sollten. Und sie lächelt dabei. Sie meint das ernst und sie strahlt das aus, was sie sagt: Ruhe.
Qigong Yangsheng sind Übungen chinesischen Ursprungs, die in der Regel mit sanften Bewegungen ausgeführt werden, und auch aus Ruheübungen bestehen. Mit Hilfe der Vorstellungskraft wird diese Kunstform geübt, was jede Bewegung intensiviert, ohne Einsatz von Muskelkraft.
Es waren einst chinesische Beamte, die Zeit zur eigenen Verfügung hatten, gebildete Menschen, die sich selbst kultivieren wollten. Sie strebten einen Zustand der Ruhe und Durchlässigkeit an und griffen dabei auf fünf Künste zurück: die Malerei, die Kalligraphie, die Poesie, die Musik und die Körperübungen. So wundert es nicht, dass die ältesten Zeugnisse über das, was wir heute Qigong Yangsheng nennen, ungefähr vor 2500 Jahren notiert worden sind.
Qi – das ist die Lebenskraft, der Odem, der überall ist, in jedem Gegenstand, in jedem Lebewesen, aber auch in allen Handlungen. Gong ist die Übung. Qigong steht demnach für eine Methode, die die Lebenskraft trainieren soll. Gemeint ist damit die Erhaltung der eigenen Gesundheit und die Unterstützung von Heilungsprozessen durch regelmäßiges Üben. Die bewusste Wahrnehmung des Körpers und seiner Bewegungen stehen im Zentrum der Übungen. Atemübungen und das Training des Geistes, die Konzentration und die Imagination begleiten diese Prozesse.
Roswith Schläpfer ist Appenzellerin. Sie gibt sich nicht zufrieden damit, aus der Schweiz zu kommen. Nein, sie kommt aus diesem kleinen Kanton mitten in den Voralpen. Und sie erzählt von ihrem Großvater, der auf seine Weise schon Ähnliches praktizierte, was sie heute lehrt. Sie führt die langsamen und konzentrierten Bewegungen vor, mit denen er die Klinge seiner Sense durch das Gras der Bergwiesen führte. Sie berichtet, wie er voller Konzentration die traditionellen Glocken auf eine ganz bestimmte Art schwang, um ihnen Musik zu entlocken. Es sind Bewegungen voller Kraft und Ruhe.
Yangsheng steht für: Pflege des Lebens. Der Begriff beruft sich auf eine kultivierte Lebensart, die den Menschen körperlich, seelisch und geistig mit sich selber in Einklang bringt. Qigong, das trainieren der Lebenskraft, das Durchlässig machen des Körpers und das Beruhigen des Geistes, ist ein Teil davon. Es ist der Teil, den wir oft vergessen oder als nicht so wichtig erachten. Denn Kunst, Musik, Philosophie und Literatur gehören meist selbstverständlich zu unserem Leben. Auch der Ernährung, der Ästhetik und dem zwischenmenschlichen Verhalten schenken wir große Aufmerksamkeit. Doch erst in Verbindung mit der Übung der Lebenskraft, der „inneren“ Kultivierung des Körpers, finden wir zu einer ausgeglichenen Form des inneren Gleichgewichts.
Seit den 1980er Jahren lebt Roswith Schläpfer in Deutschland. Wohin es sie treibt, weiß sie oft selbst nicht. Deshalb mag sie auch den weisen Satz „Der Weg ist das Ziel“ nicht. Sie formuliert ihn charmant um: „Der Weg ist der Weg“. Eine erst einmal ungewöhnliche Formulierung, deren Sinn sich jedoch recht schnell erschließt. „Die Menschen zucken unwillkürlich zusammen, wenn man von einem Ziel spricht“, behauptet sie. Der Weg steht im Zentrum des Lebens. Und er muss nicht immer zielgerichtet sein.
Es geht ihr um die Konzentration des Menschen auf sich selbst. Auf die Art und Weise, wie wir etwas tun. Deshalb werden im Qigong Yangsheng Bewegungsabläufe eingeübt, die im Grunde unendlich oft wiederholt werden können. Und jedes Mal kann man dabei Neues entdecken. „Die Übung passt sich dem Menschen an, nicht der Mensch der Übung“, zitiert Roswith Schläpfer ihren Lehrer Jiao Guorui. Denn die Übungen sollen ja zur Entspannung beitragen, anstatt weiteres Stresspotential aufzubauen.
Ihre Kurse bietet Roswith Schläpfer als wöchentlich regelmäßig stattfindende Übungsstunden oder in Form von Block- oder Wochenendseminaren an. Ob man dabei lediglich die Kurse zum Üben nutzt oder zwischendurch alleine noch etwas tut, bleibt jeder/m selber überlassen. Viele Teilnehmer/innen berichten, dass es manchmal nicht so einfach ist, nach einem langen Arbeitstag noch zum Kurs zu gehen – und freuen sich jedes mal, dass sie danach meistens gelassen, ruhig und voller Kraft sind. Die schönen Räume des Helfta-Seminars in der Kaesenstraße, ganz in der Nähe des Eifelplatzes, bieten auf jeden Fall allen genügend Raum zum „Runterkommen“ und der Entfaltung des eigenen Potentials.
Qigong-Übungen – Übungen für Körper-Seele-Geist zur Entspannung und Kräftigung – haben ihre Wurzeln in China: in philosophischen Konzepten, in den Kampfkünsten und sind ein wesentliches Element der traditionellen chinesischen Medizin. Bestimmte Körperhaltungen und Bewegungen, geistige Übungen der Konzentration und Imagination bilden die Grundlage. Es gibt Übungen-in-Ruhe und Übungen-in-Bewegung. Die schönen und langsam ausgeführten Bewegungen werden durch die Vorstellungskraft angeleitet und entfalten dadurch ihre besondere durchdringende Wirkung.

Qigong Yangsheng
Qi bedeutet (u.a.) Lebenskraft
gong bedeutet (u.a.) Tun, Fähigkeit
Yangsheng bedeutet Lebenspflege
Die 8 Brokatübungen, das Spiel der 5 Tiere und die 15 Ausdrucksformen des Taiji-Qigong bezeichnen unterschiedliche Übungs-Methoden und -abläufe aus dem Lehrsystem Qigong Yangsheng von Prof. Jiao Guorui. Jede der drei Methoden hat ihren eigenen „Charakter“ und alle eignen sich, um Qigong Yangsheng kennen zu lernen.
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